Florida - unsere Reiseberichte aus dem Sunshine State

Im Jahr 1997 bin ich das erste Mal nach Amerika geflogen. Im Gegensatz zu meinem Mann Roland der schon eine Rundreise durch die USA machte und gelassen dem Urlaub entgegensah, konnte ich mich in meiner Aufregung kaum bremsen. 3 Wochen zuvor ( man bedenke ich war 33, noch nie geflogen und dann auch noch Amerika! ) hatte ich schon..., ok. das will jetzt keiner so genau wissen.

 

Da saß ich nun im Flugzeug, vollgepumpt mit Baldriantabletten, deren Wirkung eher mau waren, mit schweissnassen, zittrigen Händen und rasendem Herzen. Doch, oh Wunder, das Fliegen ist ja gar nicht schlimm, ja es machte mir sogar Spass, wenn ich das mal früher gewußt hätte. Die ganze Aufregung war umsonst. Unsere erste Station war Miami, von dort aus dann der Weiterflug nach Orlando. Mein erster Eindruck von Amerika war ein dunkelhäutiger Flughafenpolizist, der eine Tür bewachte, ca. 2m groß, ungefähr 120kg schwer, mit Händen von der Größe eines, sorry, Klodeckels und dieses eh schon repekteinflössende  Erscheinungsbild, war auch noch bewaffnet mit grimmigen Blick und einem Maschinengewehr.  Erschrocken von einem solchen Anblick (so etwas war mir neu), muß ich den so saublöd angeglotzt haben, dass er mich milde anlächelte. Das fängt ja gut an, dachte ich mir. Doch der zweite Schock folgte, als ich das für mein Gefühl viel zu kleine Flugzeug sah, das uns nach Orlando bringen sollte. Das Flugzeug verfügte über ungefähr 50 Sitzplätze und davon war nicht einmal die Hälfte belegt. Wir konnten uns von einem Fenster zum anderen setzen, um das Lichtermeer unter uns zu geniessen. Durch diese Ablenkung bemerkte ich fast nicht dass wir mehr oder weniger, wie auf einem wilden Gaul nach Orlando geritten sind.

Mein Name ist Marion, und bei meinem ersten Amerikaurlaub war ich ( total überwältigt von den neuen Eindrücken ) von Beruf weltfremde Landpomeranze. Florida, ich komme! 

Wir sind beide Avatar-Trainer und besuchten damals unseren ersten Wizard-Kurs, was heisst, die ersten 2 Wochen in Florida verbrachten wir ganztägig, mit vielen anderen und vielen Übungen in einem großen Zelt. Der Kurs war toll, keine Frage, aber ich hatte solche Hummeln im Hintern, dass ich es kaum erwarten konnte, endlich Florida zu erobern. Schon während des Kurses konnte ich Florida spüren, riechen und schmecken und ich wollte mehr davon, sehr viel mehr. Und ich bekam es, mittlerweile verbrachte ich 7 Urlaube in Florida, die meisten davon 4 Wochen lang. Unser erster Urlaub in Florida führte uns nach, Magic Kingdom, Universal Studios, Miami, Everglades und ein Stückchen von den Keys. Wir hatten für alles nur eine Woche zur Verfügung, was natürlich viel zu wenig war. Ich war derart begeistert, von der Freiheit die einem dieses Land spüren lässt, von der Natur und allem anderen, dass ich mir damals schwor, das nächste Mal erst wieder zu fliegen, wenn unsere Tochter Carina mitkam. Das musste sie einfach sehen. Aus heutiger Sicht haben wir das erste Mal die wirklich wunderschönen Seiten Floridas gar nicht kennengelernt. Wir sind den Touristenpfaden gefolgt, das war`s. Trotzdem haben wir uns in Florida verliebt.

Im Jahr 2000 sind wir dann als komplette Familie nach Florida geflogen, diesmal mit Zwischenlandung in New York. Carina war zu dem Zeitpunkt 11 Jahre und zeigte sich angesichts des World Trade Centers, das sie beim Landeanflug in der Ferne erspähte schon schwer beeindruckt. Wir hatten etwas Aufenthalt und den nutzten wir, um im Freien eine Zigarette (sch... Sucht) zu rauchen. Carina nuckelte an einer überdimensionalen Pepsi, als sie das erste Mal eine Stretchlimousine sah. Mit weit aufgerissenen Augen und noch weiter aufgerissenem Mund stand sie da. Der Fahrer rollte langsam an ihr vorbei und winkte ihr fröhlich lachend zu. Unsere Tochter zeigte keinerlei Reaktion. Da wusste ich, diesmal spielt sie die Rolle als Mondkalb. 

Diesen Urlaub mit unserer Tochter verbrachten wir hauptsächlich in Orlando. Klar, in diesem Alter stehen die Vergnügungsparks ganz oben auf der "Muss ich hin Liste". Den ersten Tag nutzten wir, um mit Carina Orlando zu erkunden, zwecks Überblick. Da Roland in der Zwischenzeit schon viermal allein (das stell sich mal einer vor!) in Orlando war, kannte er sich mittlerweile bestens aus und war der perfekte Reiseführer. Für mich hatte sich in den knapp 4 Jahren sehr viel verändert, Orlando ist eine derart schnell wachsende Stadt, dass man nur staunen kann. Da gab es z.B. das relativ neue Discovery Cove, ein Park von Sea World, in dem man mit Delphinen schwimmen konnte. Genau das stand am zweiten Tag auf unserem Programm. Wir hatten für Carina Delphin schwimmen gebucht.

Etwas mulmig war ihr schon zumute. Angesichts fehlender Englischkenntisse und das ganze auch noch alleine, war sie sich nicht mehr sicher ob das eine gute Idee war. Aber wir lernten ein ganz liebes, deutsches Aupair Mädchen kennen. Sie war allein im Park und fragte uns, ob sie sich uns anschliessen dürfte. Und was für ein " Zufall ", hatte Mareike zur gleichen Zeit und in der gleichen Gruppe auch ihr Delphin schwimmen. Und so saßen mein Mann und ich am Rand der Lagune und sahen unserer Tochter zu, wie sie einen Delphin fütterte, knutschte, an seiner Rückenflosse gezogen wurde usw.. Wir hatten Tränen in den Augen. Für sie war es ein Heidenspass und für uns einfach nur ein Traum. Nach dem Delphin schwimmen gings durch mit den beiden. Schnorcheln, plantschen, mit Rochen spielen, wir bekamen sie kaum noch zu Gesicht. Es war ein wunderschöner Tag, in einer traumhaften Anlage.

Im Eintrittspreis von Discovery Cove ist, 7 Tage freier Eintritt zu Sea World enthalten, den wir dann auch noch am Abend besuchten. Schnurstracks liefen die Mädels anhand ihrer Parkmap Richtung Kraken, ein Ungetüm von einem Rollercoaster. Noch nie ist Carina bis dahin in einer Achterbahn solchen Ausmasses gesessen, Wilde Maus auf dem Oktoberfest, war das maximale der Gefühle. Trotzdem startete sie ungebremst in den Eingang, nur mit dem Zuruf nach hinten in meine Richtung, " Los Mama, die fahren wir jetzt!! ". Grundgütiger, nur über meine Leiche. Das war mir dann doch zu heftig, nein danke, in dieses Monstrum bringen mich keine zehn Pferde. Und weg waren sie. Ich stand da und wartete, die Angst kroch dezent in mir hoch, oh Gott, mein kleines Mädchen, hoffentlich wird ihr nicht schlecht, typisch Mutter halt. Als sie rauskamen, strahlte Carina über das ganze Gesicht und rief mir zu, " Mama, das war saugeil ! ". Es war um sie geschehen, von dem Zeitpunkt an mutierte sie zum absoluten Rollercoaster Freak.

Der darauf folgende Tag stand ganz unter dem Zeichen der Maus. Magic Kingdom, ein Park ganz nach meinem Geschmack. Okay, etwas überlaufen ( ich sah den Park noch nie anders! ), aber ansonsten ruhige Fahrgeschäfte, verspielt und kitschig. Was an diesem Tag gar nicht ruhig war, war mein Mann. Zu Mittag hatten wir uns "leckere" Hamburger besorgt und suchten uns im Freien einen schattigen Platz. Wir wußten zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es ein Fehler ist, in Floridas Vergnügungsparks unter Bäumen sein Essen zu sich zu nehmen. Die Bäume waren voll von hungrigen Vögeln, von denen einer, während Roland in seinen Hamburger biss, ihn volles Rohr von oben bis unten ankackte. Soll ja bekanntlich Glück bringen, aber der Burger flog im hohen Bogen und Roland war rot vor Wut, während Carina und ich vor Lachen fast am Boden lagen, was seine Stimmung nicht unbedingt verbesserte. 

 

Berauscht vom "künstlichen" Vergnügen, wollte Carina unbedingt am nächsten Tag Universal Studios sehen. Da wir ihr versprochen hatten den Urlaub ganz auf ihre Bedürfnisse auszurichten, hatten wir dem Ganzen nichts entgegenzusetzen. Also, ein 2-Tages Ticket für Universal Studios und Island of Adventure musste her und los gings mit Parkhopping. Na Gott sei Dank, hier gibts Rollercoaster freute sich Carina. Boah, sogar drei ! Ja, wunderbar Carina, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nachdem sie mit Papa ein grünes Ungetüm mit Namen "Incredible Hulk Coaster" gefahren war, ging der Weg schnurstracks zu den "Dueling Dragons". Mama, fahr halt mit, nein Danke, ich warte, macht mir gar nichts aus. Und dann saß ich da, wie ein Depp mit Rucksack, drei Jacken, zwei Regenschirmen und einem Fotoapparat und saß und saß. Die Dueling Dragons sind zwei Achterbahnen, wer konnte ahnen, dass die beiden aus der einen raus, sofort in die andere rein hüpfen. Über eine halbe Stunde bin ich da gesessen und wenn man wartet, dann zieht sich das. Das passiert mir kein zweites Mal, dachte ich und so war es auch.

Nach dem Motto, einmal ist keinmal, zog es Carina etwas später wieder in die Richtung Hulk Rollercoaster. Das Genöhle " Mama, jetzt komm schon, fahr einmal mit " ging von vorne los. Und diesmal ließ ich mich erweichen. Mit schlotternden Knien, schweißnassen Händen und wild schlagendem Herzen stand ich mit Carina und Roland in der Schlange. Schon lange hatte ich keine solche Angst mehr. Ich presste den Bügel bis Anschlag an meinen Körper, so dass ich fast keine Luft mehr bekam und schloss beim losfahren unmittelbar die Augen. "Augen auf ! " schrie Carina, neiiiin, so neugierig bin ich dann doch nicht. Meine Güte, mit Worten kann man das gar nicht beschreiben, was ich während der Fahrt alles fühlte, gesehen habe ich ja nichts, ich hielt eisern meine Augen geschlossen, nur ab und zu lugte ich mit einem Auge hervor. Angst und Spass wechselten genauso wild wie die Kurven und Loopings. Endlich war`s vorbei. Draussen angekommen, kamen meine Emotionen mit einem Schwall zum Vorschein, hemmungslos fing ich an zu heulen. Carina und Roland blickten mich entsetzt an und bemerkten aber relativ schnell, weswegen ich so flennte. Ich war ein Held ! Allmächtiger, war ich ein Held. Ich war so verdammt stolz auf mich, dass ich den Rest des Tages hoch erhobenen Hauptes umherstolzierte. Tja und seither ist keine Achterbahn mehr vor mir sicher und es macht mir riesigen Spass sie zu fahren. 

 

Bevor wir unseren Urlaub im Oktober 2001 antraten, geschah das Unfassbare. Wir hatten mit einem befreundeten Paar alles schon gebucht, als der Terroranschlag auf das World Trade Center passierte. Nach langem hin und her überlegen, ob wir fliegen oder nicht, entschieden wir uns für den Urlaub. Man wird ja generell in Florida überall offen und freundlich empfangen, aber nach diesen dramatischen Ereignissen wurden wir wie Könige behandelt. Überall bedankte man sich herzlich, dass wir trotz der Umstände, unseren Urlaub in ihrem Land verbringen. Sie überschlugen sich regelrecht vor Freundlichkeit und Zuvorkommenheit. Und Florida selbst war wie leergefegt. Es gab z.B, keine Schlangen in den Vergnügungsparks, so etwas hatten wir noch nie erlebt.

In diesem Urlaub fuhren wir das erste Mal nach Tampa, um anschliessend die Golfküste entlang Richtung Fort Myers zu erkunden. Den ersten Stop nachdem wir Tampa gesehen haben, wollten wir in St.Petersburg machen, um das Dali Museum zu besichtigen. Da mein Vater in seiner Freizeit Ölbilder malt und vorzugsweise die von Dali kopiert, kannte Carina sehr viele Bilder und freute sich tierisch auf das Museum. Doch meine damalige Freundin Tanja machte uns einen Strich durch die Rechnung. Sie hatte im Fernsehen gehört, dass Terroristen Brücken in die Luft jagen wollen und weigerte sich vehement über eine solche zu fahren. Das war`s dann mit Dali und Carina zog eine Schnute.

Wir fuhren weiter und landeten in meinem Paradies, Sanibel und Captiva Island. Es war ein Traum und ich sofort verliebt. Die endlosen Strände, weiß wie Schnee, die unberührte Natur, keine Hotelburgen und Reklametafeln. Hier wollte ich bleiben, zumindest für ein, zwei Nächte. Doch wieder hatten wir die Rechnung ohne Tanja gemacht. Immer mit dem Fotoapparat im Anschlag, getrieben davon möglichst viel zu sehen, und sei es nur durch die kleine Linse der Kamera, wollte sie weiterhetzen. Das einzige das ich mit Fußstampfen durchsetzen konnte, war ein Mittagessen direkt am Strand bei Mucky Duck auf Captiva Island. Sie wollte lieber auf der Autobahn zu McDonalds oder so! Das war`s dann mit dem Paradies und diesmal zog ich die Schnute. Eigentlich wollten wir nach Miami weiterfahren, aber Gott ist gerecht und schickte einen Minihurrikan über Miami. Der verursachte, danke Gott, keine Schäden, aber Tanja`s Fototour fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Uns war das wurscht, wir waren schon zweimal in Miami, aber diesmal zog Tanja die Schnute und was für eine. Oh, das Leben ist schön, ich weiss und ich bin dezent ! boshaft.

Der nächste Urlaub, Pfingsten 2003, war für Carina sehr aufregend. Ihre beste Freundin Anna durfte mit uns fliegen. Zwei 14jährige Teenager in Florida, und Anna`s erster Urlaub in Amerika. Gespannt waren wir auch auf das Wetter. Alle Floridaaufenthalte waren bisher in den Herbst- oder Wintermonaten, in denen das Klima sehr angenehm ist.

Wir flogen wie immer zuerst nach Orlando. Mein Mann holte das Mietauto und ich stand mit den Mädels am Gepäckband. Noch nie ist es uns passiert, dass ein Koffer abhanden gekommen ist. Doch diesmal war ausgerechnet der von Carina nicht da. Anna und Carina hatten die Augen auf halb acht und ihre Laune war auch nicht so prickelnd, kein Wunder, es war nach europäischer Zeit nachts um 2 Uhr. Und der fehlende Koffer trug nicht gerade zur Erheiterung bei. Dann auch noch das Mietauto! Wir hatten bis dato immer fette Geländewagen, mit drei Sitzbänken und riesen Kofferraum. Wenn man zu fünft, mit Gepäck reist, braucht man das auch. Aber unser jetziger war eine Miniausführung und für den Geschmack meiner Tochter entschieden zu klein. Sie hatte Recht, wir hatten trotz fehlendem Koffer jetzt schon Platzprobleme.

Zumindest das Hotel hob die Laune der Mädels an. Von Deutschland aus hatten wir eine 2 Bedroom Suite im Hilton Grand Vacation Club at Sea World gebucht. Roland und ich kannten das Hotel schon von Urlauben ohne Carina und wir wussten was uns erwartet. Anna und Carina waren begeistert. Trotz der voranschreitenden Müdigkeit, waren sie total aus dem Häuschen. Wow, eine riesige Suite mit zwei Balkonen, Großbildfernseher und einem Whirlpool im Schlafzimmer. 

Carina`s Koffer war am nächsten Morgen schon bei der Rezeption hinterlegt und das mit dem Mietauto haben wir auch geregelt. Wir erzählten den Mädels wir müssen in den Supermarkt und das kann etwas dauern. Ok, Supermarkt ist langweilig, wir bleiben hier. Perfekt, Roland und ich fuhren zum Flughafen, tauschten das Auto um und parkten die "fette Kiste"  vor unserem Hotelgebäude. Dann holten wir Anna und Carina, wir sagten wir möchten gerne nach Downtown Disney fahren. Carina sah das Auto und sagte, "So einen bräuchten wir, der ist geil !". Worauf Roland entgegnete, "Na dann klauen wir den doch einfach, mal sehen ob der Schlüssel passt." Wild fuchtelnd und mit hochrotem Kopf fragte Carina ob er einen Vogel hat, sowas tut man doch nicht. Uii, der passt. Nachdem sie Roland geboxt hat, weil er sie verarschte, war sie heilfroh, dass wir endlich ein großes Auto hatten. Der Urlaub konnte beginnen.

Was wollen zwei Teenies in Florida, klar Vergnügunsparks satt und shoppen bis der Geldbeutel leer ist. Beide hatten sich in den Wochen vorher, mit diversen Tätigkeiten zu Hause und bei den Großeltern (nur gegen Bares, versteht sich), kein Taschengeld mehr ausgeben und Urlaubsgeld von Opa und Oma, jede die stolze Summe von ca. 1200 Euro verdient und gespart. Das musste unter die Leute, eh klar. Und wo geht das besser als im Shoppingparadies von Orlando. Mall at Millenia, Premium Outlets, Florida Mall und Downtown Disney, nichts wollten die Mädels auslassen. Dann die ganzen Studios, Sea World, Magic Kingdom, Universal Studios und Island of Adventure. Während der neun Tage die wir in Orlando verbrachten, konnten wir sie genau einmal überreden, mit uns ins ruhige Hinterland nach Mount Dora zu fahren. Nach all dem Geflirre für uns eine Wohltat, für die Mädels eher Quälerei. In diesem Alter zählt Fun bis die Schwarte kracht. 

Fun der besonderen Art hatten wir auch mit dem Wetter. Täglich ! hatten wir nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr ein Gewitter vom Feinsten. Man konnte fast die Uhr danach stellen, der Himmel wurde schwarz, dass wir jedesmal dachten die Welt geht unter. Solche Gewitter kannte ich bei uns zu Hause nur aus den Bergen. Der Boden vibrierte und die Wege standen innerhalb kürzester Zeit minimum 20 cm unter Wasser. Nach etwa 20 Minuten war der Spuk vorbei und die Sonne lachte wieder. Lustigerweise zog das tägliche Gewitter nur durch die Mitte Floridas, in Miami hatten wir keines. Gott sei Dank, Miami ist supercool und unsere quietschgelben Mäuseponchos die wir uns im Magic Kingdom zugelegt hatten und die bei jedem Gewitter zum Einsatz kamen, waren definitiv uncool.

Welcome to Miami, Carina geprägt vom ersten Aufenthalt in Miami (wir hatten uns blöderweise leicht verfahren und sind durch ein gemäßigtes Slum gefahren), entwickelte sie eine Art Angstliebe zu der Stadt. Auf der einen Seite war Miami aufregend, auf der anderen sehr beängstigend, ich glaub sie schaut zu viel fern. Anna (schaut auch zu viel fern), selbstverständlich von Carina vorgewarnt, dass man hier arg auf der Hut sein muss, konnte die Stadt natürlich, genau wie Carina, völlig entspannt geniessen. Die zwei klebten uns jeden Meter regelrecht am Hintern. Gefallen hat es ihnen trotzdem. Besonders ein Waschbär auf Key Biscayne hatte es ihnen angetan. Der sitzte auf einer Mülltonne mit Deckel und versuchte verzweifelt in die Tonne zu gelangen, was natürlich ein schwieriges Unterfangen war, da er ja auf dem Deckel hockte. Das fanden die zwei Mädels superspassig.

Nach Miami fuhren wir auf dem Tamiami Trail Richtung Naples an den Golf von Mexico. Der Tamiami Trail führt durch die Everglades, durch den Big Cypress National Preserve und durch den Fakahatchee Strand State Preserve. Eine traumhafte Strecke durch die Natur Floridas. Keine so gute Idee ist es um diese Jahreszeit aus dem Auto auszusteigen. Wir mussten alle auf die Toilette und hielten vor einem Besucherzentrum. Schnell muss man sein, sehr schnell, ausser man trägt ein Ganzkörperkondom oder ist von oben bis unten mit Chemie eingeschmiert. Die blutrünstigen Viecher kommen in Horden und aus allen Richtungen. Und sie sind hungrig. Das gleiche passierte mir auf Sanibel Island. Ich geniesse es, bis die anderen aufwachen, allein am Strand spazieren zu gehen. Die Sonne war gerade aufgegangen, es war wunderschön. Bis ich wie Nadelstiche überall am Körper spürte. Sandfliegen, winzig klein, fast nicht zu sehen, aber wenn sie stechen fühlt sich das an als ob man von Nadeln gepieckst wird. Äußerst unangenehm, anfangs brennt es noch, später juckt es höllisch. Verständlich dass mein "einsamer" Strandspaziergang sehr kurz ausfiel. Nachdem ich die folgende Nacht fast nicht geschlafen hatte, weil ich vor Juckreiz dem Wahnsinn nahe war, holten wir in der Drogerie eine Chemiebombensalbe mit Cortison. Mein Mann betüpfelte mich mit der Creme und zählte 152 ! Stiche. So, wie wir in Bayern sagen, dadengelt war ich noch nie.

Doch das "Schlimmste" kam, als wir am Ende von unserem Urlaub, wieder in Orlando waren und unsere Fotos entwickeln lassen wollten. Irgendetwas passte anscheinend mit unseren Filmen nicht. Jetzt haben wir von diesem Urlaub, dank Anna, gerade mal  9 Fotos. Unsere sind allesamt nichts geworden. Das war für die Mädels natürlich eine große Enttäuschung.

Im Januar/ Februar 2005 waren mein Mann und ich wieder für 4 Wochen allein in Florida. Das war das Jahr nachdem Hurrikan Charley die Westküste verwüstet hatte. Wir fuhren wieder nach Sanibel und Captiva Island. Was uns dort erwartete kann man mit Worten kaum beschreiben. Bis auf ein Paar Palmen war die komplette Natur niedergemäht. Am schlimmsten hatte es Captiva Island getroffen. Vor dem Hurrikan fuhr man auf der Hauptstrasse von Captiva durch einen üppigen, grünen Tunnel, wie im Dschungel, so dicht dass man teilweise den Himmel nicht mehr sah. Nach dem Hurrikan, der nackte Asphalt und daneben Kahlschlag. Es war erschütternd. Doch wir sahen und erlebten in diesem Urlaub auch schöne Dinge. Auf Captiva etwa, als ein Delphin immer parallel zum Strand seine Bahnen zog. Ich wünschte mir dass er näher an mich heranschwimmen sollte, damit ich ihn fotografieren kann. Plötzlich drehte er sich in meine Richtung und schwamm mit einem Affenzahn direkt auf mich zu. Ich habe natürlich kein Foto von diesem Erlebnis, weil ich zu verdattert war um auf den Auslöser zu drücken. Und dann war da noch das Waschbärbaby vor einem Supermarkt auf Sanibel, das ich mit Keksen fütterte. Ich weiß man soll es nicht tun, aber es war zu verlockend. Er putzte mit seinen winzigen Händen die Kekskrümmel, bevor er sie verspeiste, es war zum niederknien. 

                                                                    

Nach unserem Aufenthalt auf Sanibel, machten wir einen Abstecher an  den schwarzen Sandstrand von Venice. Dort soll man, laut Broschüren, die meisten Haizähne finden. Ich mutiere an Stränden regelmäßig zur Trüffelsau, kann mich mit Suchen stundenlang beschäftigen und habe schon die tollsten Dinge gefunden. Mit Muscheln aus Sanibel und Captiva, in allen erdenklichen Formen und Farben, könnte ich schon fast handeln. Doch einen Haizahn habe ich in Venice auch nach intensiver Suche nicht gefunden. Das lastet schwer auf meinem Jäger- und Sammlerherz. Ohne Beute, sind wir anschliessend die Westküste entlang, nach St. Petersburg Beach und weiter bis nach Crystal River gefahren. Die "Städte" St Pete Beach, Clearwater usw., sind Geschmackssache. Mich erinnern sie zu sehr an Rimini, und das ist so gar nicht mein Fall. Weiter oben, die Gegend um Crystal River, ist für mich persönlich reizvoller, da sie wesentlich ländlicher und ruhiger ist.  Von dort aus sind wir dann auf Landstrassen zurück nach Orlando gefahren. Und immer wieder "oh Wunder" stellen wir fest, abseits der Touristenpfade ist Florida am schönsten.